Dokumentation der Fachtagung „Alt werden in Armut?“

Hochschule Neubrandenburg, 26./27.11.2010
Welches Fazit lässt sich aus der Fachtagung ziehen?
Die wichtigsten politischen Weichen, dies wurde auch durch Herrn Staatssekretär Nikolaus Voss vom Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern bekräftigt, müssen auf Bundesebene gestellt werden.
Auch wenn die Auswirkungen der „tickenden Zeitbombe Altersarmut“ erst in eineinhalb bis zwei Dekaden richtig sichtbar werden (somit erst rd. 3 Legislatur-perioden später), so muss dennoch jetzt gegengesteuert werden. Das rasant angewachsene Segment der Niedriglohnbezieher schiebt die Altersarmut vor sich her: Wer heute arm ist, der wird im Alter noch ärmer sein!
Dies hat immense Auswirkungen, auch auf die Kommunen.
Die beste Altersarmutsprävention ist eine weitsichtige Lohnpolitik und eine Verbesserung der Einkommenssituation. Denn seit rd. 10 Jahren ist die Entwicklung der Löhne abgekoppelt vom Wirtschaftswachstum mit fatalen Folgen für die Rente. Die Höhe der Zugangsrenten nimmt in Deutschland jetzt schon von Jahr zu Jahr ab. Das Primat des Marktes muss zugunsten des Primates der Politik zurück gedreht werden. Eine ausgleichende Sozialpolitik hat auch eine demokratiefördernde und
–stärkende Funktion (vgl. hierzu den Beitrag von Huster in dieser Dokumentation).
Es gibt alarmierende Zahlen: Z.B. gelten über 53 % der Arbeitslosen in Gesamtdeutschland als arm und sogar über 56 % der Alleinerziehenden in Mecklenburg-Vorpommern (lt. Armutsdefinition nach EVS des Statistischen Bundesamtes). Im Jahre 2006 betrug der Durchschnittsstundenlohn im Niedriglohnsektor in Ostdeutschland 4,90 EUR (= 780 EUR/mtl.). Aktuell ist der Anteil armer Kinder in Ostdeutschland, die Sozialgeld nach SGB II beziehen, mit fast 30% mehr als doppelt so hoch wie durchschnittlich in den alten Bundesländern (vgl. den Beitrag von Chassé in dieser Dokumentation).
Globale Betrachtungen bleiben allerdings ungenau. Wichtig ist vielmehr eine kleinteilige Schau auf die Regionen: Dann wird deutlich, wie weite Teile Ostdeutschlands geistig und materiell verarmen (vgl. hierzu die Beiträge von Weiß und Martens in dieser Dokumentation).
Die Sozialarbeit muss (wieder) anfangen, sich dem Armutsthema stärker zu öffnen. Ideenreichtum ist gefragt, Mut erforderlich, da es gilt, sich gegen den Mainstream zu stellen und es ist eine stärkere Politisierung der Arbeit nötig, da allein mit individualistischen Ansätzen den erkannten und zu erkennenden Problemen nicht bei zu kommen ist. Anregungen hierzu bieten die Ergebnisse der Open Space Werkstatt in dieser Dokumentation.
Die nachfolgenden Beiträge sind von den RednerInnen und WorkshopleiterInnen dankenswerterweise zur Verfügung gestellt worden. Sie sind z.T. überarbeitet und ergänzt worden. Von Herrn Dr. Martens wurde noch zusätzliches interessantes Material beigesteuert.
Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden ausdrücklich für die aufschlussreichen und informativen Beiträge und hoffen, Ihnen als LeserInnen dieser Dokumentation wertvolle Anregungen für die Beschäftigung mit dem Thema Altersarmut zu geben.
Vorträge:
Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster,
Ev. Fachhochschule Bochum / Universität Gießen
Demokratie fest verankern – Sozialpolitik als Notwendigkeit für soziale Integration
Vortrag Prof. Dr. Karl August Chassé,
FH Jena
Reiches Deutschland – armes Deutschland - Worüber sprechen wir eigentlich?
Vortrag PD Wolfgang Weiß,
Universität Greifswald
Unbekannte Konsequenzen des demografischen Wandels - Spaltet sich unsere Gesellschaft?
Vortrag Dr. Rudolf Martens,
Forschungsstelle des PARITÄTISCHEN, Berlin
Arme habt Ihr allezeit bei Euch - Wie wird Armut in einer reichen Gesellschaft gemacht?
4c_Armutsberichte_Kritik_Martens
Workshop Statements:
Workshop 1:
Altersarmut in der öffentlichen Wahrnehmung - Sensibilisierung statt Stigmatisierung.
Dipl. Sozialwirt Frank Reinecke, Duderstadt; Prof. Dr. Werner Freigang, HSNB
Workshop 2:
Bedingungsloses Grundeinkommen - Für und Wider eines Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik
Frau Susanne Wiest, Greifswald; Prof. Dr. Steffi Schulze, HS NB
Workshop 3:
Gesellschaftliche Partizipation von älteren Menschen
Frau Helga Bomplitz, Seniorenbüro, Schwerin; Dipl. Pflegewirt Stefan Schmidt, HS NB
Workshop 4:
Versorgung sichern in peripheren Gebieten
Dr. Hagen Rogalski, HS NB, Herr Frank Münzberger, Tafel NB, Gerlind Santamaria-Diaz, Neustrelitz
Workshop 5:
Aus der Isolation auftauchen: Politisierung armer Menschen
Frau Irina Rimkus, Landesarmutskonferenz M-V; Hon.-prof. Ulf Groth, IfW HS NB
Workshop 6:
Psychische Auswirkungen von Altersarmut. Gibt es präventive Maßnahmen?
Prof. Dr. Thomas Elkeles, Prof. Dr. Brigitta Michel-Schwartze, beide HS NB
Workshop 7:
Auswirkungen der Altersarmut auf Kommunen
Dr. Christiane David, Stadt Neubrandenburg; Vertretungsprofessorin Britta Tammen, HS NB
Workshop 8
Wie geht man im Ausland mit ähnlichen Problemen um? Ein Blick in die USA
Prof. Dr. Hans-Werner Klusemann, HS NB; Eva Maria Geyer, IfW HS NB
Übersicht der Ergebnisse Open Space – Werkstatt:
...weitere Informationen werden hier eingebunden sobald wir sie zur Verfügung haben
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